Reithingers Problem mit der Bafin

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Klaus Thannhuber: DBVI und die Reithinger Bank in Nöten
26.07.2006

Der Münchener  Kaufmann Klaus Thannhuber ist ein vielbeschäftigter Unternehmer. Nach seinem eigenen Selbstverständnis überzeugt er durch Integrität und Zuverlässigkeit. Nicht alle teilen diese Selbsteinschätzung. Kritiker, unter ihnen die Bundesanstalt für Finanzdienstleistung, halten ihn eher für eine Gefahr für Anleger und Sparer. Probleme gibt es mit der Privatbank Reithinger und den DBVI-Fonds, die von Thannhuber maßgeblich beeinflußt wurden.    

Thannhuber ist Inhaber verschiedener Immobilienfonds und Holdingunternehmen, deren Verflechtungen in Einzelheiten schwer nachvollziehbar sind. Schlagzeilen macht derzeit die im Jahr 1990 gegründete DVBI AG (Deutsche Beamtenvorsorge Immobilienholding AG). Diese schreibt nämlich nicht nur seit Jahren kontinuierlich Millionenverluste, sondern sah sich jüngst zur Bekanntgabe der Halbierung ihres Grundkapitals gezwungen. Denn einer ihrer Hauptkreditgeber, die Aachen und Münchener Lebensversicherung, hatte 2005 ihre Darlehensforderungen an die US-Investmentbank Lehman Brothers verkauft. Diese wiederum ließ die Immobilienbestände der DBVI genauer überprüfen und stellte deren massive Überbewertung fest. Die Folgen: Eine Korrektur der Buchbestände um über 23 Millionen Euro nach unten und die Einberufung einer außerordentlichen Hauptversammlung nach § 92 AktG, also wegen Verlust der Hälfte des Eigenkapitals.

Entsprechende Gegenmaßnahmen wurden bereits in die Wege geleitet: Die bekannte Münchener Schrannenhalle, ein Beteiligungsobjekt der DBVI, soll schon partiell verkauft sein. Außerdem werden diverse Immobilienfonds offenbar vorzeitig liquidiert. Die Vorkommnisse sind für Aktionäre und Anleger gleichermaßen unerfreulich, zumal die meisten Fondsmitglieder des DBVI ihre Anteile mit Krediten erworben haben - von der Privatbank Reithinger. Thannhubers Engagement für das Geldinstitut beschränkte sich aber nicht auf die Beschaffung von Darlehensnehmern: Seit 2002 war er zusätzlich deren Eigentümer. Erst als die BaFin einen Interesskonflikt monierte, gab Thannhuber seinen Posten im Vorstand der DBVI auf.   

Nun steht auch Reithinger das Wasser bis zum Hals: Die BaFin will dem Unternehmen die Erlaubnis zum Kreditgeschäft entziehen. Die Behörde äußerte massive Zweifel an Thannhubers Solidität. Wie die Süddeutsche Zeitung mitteilte, war die Aufsichtsbehörde bereits im Februar 2006 mit einem Schreiben an die Verwaltungsgesellschaft der Privatbank herangetreten. Unter anderem waren es Berichte des Prüfungsverbandes deutscher Banken und diverser Wirtschaftsprüfergesellschaften, die den Beamten beträchtlichen Anlass zur Sorge boten: Sie enthielten „Tatsachen, die die Annahme rechtfertigen, dass Herr Thannhuber (...) nicht den im Interesse einer soliden und umsichtigen Führung der Bank zu stellenden Ansprüchen genügt.“ Es seien, so heißt es, in erheblichem Umfang Vermögensabflüsse der Bank an die Thannhuber Gruppe zu verzeichnen, was die Gläubigerinteressen in besonderem Maße gefährde. Etwa verklausuliert, aber doch deutlich: Dem Mann ist das personifizierte Risiko einer Unternehmens- und Anlegerpleite.

Die Privatbank Reithinger hatte in den vergangenen Jahren Anleger mit überdurchschnittlichen hohen Zinssätzen angeworben. Nach dem Eingreifen der Bafin reduzierte sie jüngst ihre Zinssätze deutlich. Inzwischen hat die BaFin eigene Aufsichtspersonen eingesetzt, denen sämtliche Geschäftsangelegenheiten mitzuteilen sind. Außerdem wurde Reithinger untersagt, an Thannhuber oder ihm wirtschaftlich nahestehende Personen Kredite auszureichen. Bisherige Bemühungen der Bank, juristisch gegen diese Maßnahmen vorzugehen, blieben ohne Erfolg. Das VG Frankfurt befand die Maßnahmen der Bafin für rechtens. Thannhuber hat inzwischen reagiert: Er übertrug seine Geschäftsanteile an einen Treuhänder, den Rechtsanwalt Wolfgang Janka. Dieser wiederum berief den Ex-Diba-Manager Herbert Sternberg in die Geschäftsleitung, um das angeschlagene Geldinstitut zu sanieren.

Thannhuber war zuletzt durch seine Zusammenarbeit mit dem Finanzvertrieb Futura AG (jetzt IFF AG) aufgefallen. Gegen deren Chef Michael Turgut ermittelt die Staatsanwaltschaft Braunschweig. Turgut ist in der Branche bekannt: Er war sowohl für die einschlägig bekannte Göttinger Gruppe als auch den spektakulär gescheiterten „Master Star Funds“ tätig. Beide Unternehmen boten hochriskante und überteuerte Fondsbeteiligungen. Turguts neue Projekte, darunter der „Capital Advisor Fund II“ ist nach Angaben der SZ ebenfalls dem Einflussbereich Thannhubers zuzuordnen. Es sollen 120 Millionen Euro an Anlegergeldern gesammelt werden. Kontoführende Bank: Reithinger.

 
 
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